Was wir gemessen haben
Unser Fahrplanarchiv fragt jeden Tag die Abfahrten der kommenden Wochen ab, jeweils mit dem günstigsten Preis pro Person, den das Buchungssystem für die Abfahrt anzeigt. Weil dieselbe Abfahrt dabei mehrmals erfasst wird, sehen wir, wie sich ihr Preis bis zum Ablegen verändert. Für diesen Beitrag haben wir jede Abfahrt herangezogen, für die es einen Preis aus der Zeit mindestens zehn Tage vor der Abfahrt gibt und einen zweiten vom Abfahrtstag oder vom Tag davor. Das sind 30.480 Abfahrten auf 308 Strecken mit Reisedaten zwischen Mitte August und Ende Oktober 2026.
Über alle Abfahrten gerechnet bewegt sich wenig: Der mittlere Preis ist am Abfahrtstag derselbe wie zehn Tage vorher. Das täuscht allerdings. Wenn sich ein Preis ändert, dann selten um ein paar Euro. Stieg er, lag er am Ende im Mittel 57 % höher. Fiel er, dann im Mittel um 36 %. Hinter dem neutralen Durchschnitt stehen zwei sehr verschiedene Arten, Fährpreise zu machen.
Zwei Welten: dynamische Preise und feste Tarife
Ein Teil der Reedereien arbeitet wie eine Fluggesellschaft: Die günstigen Kontingente einer Abfahrt gehen zuerst weg, danach steigt der Preis stufenweise. Andere haben einen festen Tarif, der sich bis zum Ablegen kaum bewegt, egal wie voll das Schiff wird. Welche Variante gilt, steht in keinem Buchungsdialog. In unseren Daten ist der Unterschied aber deutlich zu sehen.
| Reederei | Abfahrten | am Ende teurer | mittlere Änderung |
|---|---|---|---|
| Bornholmslinjen | 372 | 96 % | +129 % |
| Langelandslinjen | 1.082 | 61 % | +64 % |
| Scandlines | 1.865 | 62 % | +27 % |
| P&O Ferries | 661 | 60 % | +23 % |
| DFDS | 1.141 | 60 % | +20 % |
| Fjord Line | 104 | 64 % | +20 % |
| Tallink Silja | 837 | 67 % | +16 % |
| Finnlines | 223 | 65 % | +12 % |
| Stena Line | 775 | 54 % | +7 % |
| Viking Line | 515 | 54 % | +7 % |
| Irish Ferries | 651 | 50 % | ±0 % |
| Brittany Ferries | 232 | 49 % | ±0 % |
| Blue Star Ferries | 905 | 40 % | ±0 % |
| SeaJets | 1.029 | 32 % | ±0 % |
| Balearia | 1.258 | 31 % | ±0 % |
| TP Line | 676 | 30 % | ±0 % |
| TT Line | 347 | 42 % | −3 % |
| POLSCA Baltic Ferries | 103 | 37 % | −5 % |
| Red Funnel | 526 | 31 % | −6 % |
Die Liste zeigt ein klares Muster. Die Reedereien im Norden – auf der Ostsee, zwischen Deutschland und Dänemark, über den Ärmelkanal – steuern ihre Preise nach der Nachfrage. Bei Bornholmslinjen kostete fast jede Abfahrt am Ende mehr als zehn Tage vorher, oft das Doppelte. Bei Scandlines, P&O und DFDS war es bei sechs von zehn Abfahrten so.
Im Mittelmeer sieht es anders aus. Balearia, SeaJets, Blue Star und die kroatischen Linien halten ihre Preise meist stabil, bei vielen Abfahrten ändert sich bis zum Ablegen gar nichts. Wer dort kurzfristig bucht, zahlt in der Regel den normalen Tarif, solange noch Platz ist.
Eine dritte Gruppe wird zum Schluss sogar günstiger. TT Line, Red Funnel und POLSCA Baltic Ferries hatten am Abfahrtstag öfter niedrigere als höhere Preise. Das betrifft vor allem Abfahrten, die nicht ausgelastet sind: Die Reederei senkt den Preis, um die letzten Plätze zu füllen.
Beispiele: was Warten auf einzelnen Strecken kostet
Wie das konkret aussieht, zeigen Strecken mit vielen Messwerten. Angegeben ist jeweils der mittlere Preis pro Person mindestens zehn Tage vor der Abfahrt und am Abfahrtstag, dazu der Anteil der Abfahrten, die am Ende teurer waren.
| Strecke | ≥ 10 Tage vorher | am Abfahrtstag | am Ende teurer |
|---|---|---|---|
| Ystad – Rønne | 17 € | 35 € | 96 % |
| Puttgarden – Rødby | 40 € | 52 € | 69 % |
| Rostock – Gedser | 58 € | 71 € | 63 % |
| Dover – Dünkirchen | 72 € | 99 € | 68 % |
| Dover – Calais | 74 € | 94 € | 59 % |
| Helsinki – Tallinn | 31 € | 38 € | 72 % |
| Stockholm – Helsinki | 80 € | 92 € | 69 % |
| Ibiza – Formentera | 37 € | 37 € | 18 % |
| Neapel – Capri | 34 € | 34 € | 27 % |
| Piräus – Mykonos | 88 € | 88 € | 35 % |
| Trelleborg – Travemünde | 112 € | 100 € | 35 % |
| Caen – Portsmouth | 106 € | 86 € | 36 % |
Die Werte sind Mediane über viele Abfahrten. Für ein einzelnes Datum kann es anders aussehen, gerade in den Ferien. Die Richtung ist aber stabil: Zwischen Ystad und Rønne hat sich der Preis bis zum Abfahrtstag im Mittel verdoppelt, zwischen Ibiza und Formentera blieb er bei fast allen Abfahrten gleich.
Ab wann sich frühes Buchen lohnt
Auch der Abstand zur Abfahrt spielt eine Rolle, aber anders als oft gedacht. Zwischen zwei und dreizehn Tagen vorher ist es fast ein Münzwurf: Der Preis am Abfahrtstag lag bei rund 40 % der Messungen höher und bei 32 bis 38 % niedriger. Erst mit mehr Vorlauf kippt das Bild zugunsten der Frühbucher.
| Vorlauf | Messwerte | am Ende teurer | am Ende günstiger | Preis damals im Mittel |
|---|---|---|---|---|
| 2–3 Tage | 37.144 | 40 % | 38 % | gleich |
| 4–6 Tage | 44.930 | 40 % | 36 % | gleich |
| 7–9 Tage | 27.543 | 41 % | 35 % | gleich |
| 10–13 Tage | 37.708 | 42 % | 32 % | gleich |
| 14–20 Tage | 5.964 | 53 % | 32 % | 4 % günstiger |
| 21–30 Tage | 3.305 | 55 % | 21 % | 7,5 % günstiger |
Für Abfahrten mehr als drei Wochen im Voraus haben wir noch vergleichsweise wenige Messwerte, weil das Archiv erst im August begonnen hat. Die Tendenz ist trotzdem eindeutig: Je weiter vorher, desto öfter war der frühe Preis der bessere.
Was das für Ihre Buchung heißt
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Ostsee, Dänemark, Bornholm, Ärmelkanal | Buchen, sobald das Datum feststeht. Bei den meisten Abfahrten steigt der Preis bis zum Ablegen. |
| Griechenland, Italien, Spanien, Kroatien | Kein Preisdruck. Kurzfristig buchen ist meist kein Nachteil; in der Hochsaison trotzdem den Platz sichern, vor allem mit Fahrzeug. |
| Nur eine oder zwei Abfahrten am Tag | Früh buchen: Ist die günstige Abfahrt voll, gibt es am selben Tag keine Alternative. |
| Abfahrtszeit flexibel | Alle Uhrzeiten des Tages vergleichen. Dort liegt oft mehr Ersparnis als im Buchungszeitpunkt. |
| Fahrt in drei Wochen oder später | Jetzt buchen lohnt sich in mehr als der Hälfte der Fälle, auf den nachfragegesteuerten Strecken noch deutlich öfter. |
Häufige Fragen
Wird die Fähre teurer, je näher die Abfahrt rückt?
Das hängt von der Reederei ab. Bei 45 % der 30.480 von uns verglichenen Abfahrten war der Preis am Abfahrtstag höher als zehn oder mehr Tage vorher, bei 33 % niedriger. Im Norden – Scandlines, DFDS, P&O, Tallink Silja, Bornholmslinjen – steigt er meistens, im Mittelmeer bleibt er oft gleich.
Lohnt sich Last Minute bei der Fähre?
Auf Strecken mit festen Tarifen, etwa vielen griechischen, italienischen und spanischen Inselverbindungen, verliert man durch kurzfristiges Buchen meist nichts. Auf Ostsee- und Kanalstrecken war es in sechs von zehn Fällen teurer. Häufiger günstiger wurde es am Ende vor allem bei TT Line, Red Funnel und POLSCA Baltic Ferries.
Wie viel früher sollte man eine Fähre buchen?
Zwischen zwei und dreizehn Tagen vorher macht der Zeitpunkt in unseren Daten kaum einen Unterschied. Ab etwa zwei Wochen Vorlauf lag der Preis im Mittel 4 bis 8 % unter dem Preis am Abfahrtstag, und der frühe Preis war in mehr als der Hälfte der Fälle der günstigere.
Warum ist die Fähre nach Bornholm kurzfristig so teuer?
Bornholmslinjen verkauft günstige Kontingente zuerst. Zwischen Ystad und Rønne lag der mittlere Preis pro Person mindestens zehn Tage vorher bei 17 €, am Abfahrtstag bei 35 €. 96 % der Abfahrten waren am Ende teurer.
Können Fährpreise kurz vor der Abfahrt auch sinken?
Ja, bei einem Drittel der Abfahrten in unserem Archiv. Trelleborg–Travemünde mit TT Line und Caen–Portsmouth mit Brittany Ferries waren am Abfahrtstag im Mittel günstiger als zehn Tage vorher. Verlassen sollte man sich darauf nicht, denn ob eine Abfahrt leer bleibt, weiß man vorher nicht.
Gilt das auch für Auto und Kabine?
Ausgewertet haben wir den günstigsten Preis pro Person. Zuschläge für Fahrzeug und Kabine kommen hinzu, und Stellplätze und Kabinen sind auf jedem Schiff begrenzt. Wer mit Auto oder Kabine reist, ist auf den nachfragegesteuerten Strecken mit einer frühen Buchung auf der sicheren Seite.
In der Streckensuche sehen Sie die aktuellen Preise aller Abfahrten eines Tages – und ob eine andere Uhrzeit günstiger ist.
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