Warum einem überhaupt schlecht wird
Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr registriert die Bewegung des Schiffs. Die Augen sehen dagegen einen Raum, der stillsteht — die Kabinenwand, den Tisch, das Buch. Diese beiden Meldungen passen nicht zusammen, und das Gehirn reagiert darauf mit Übelkeit. Deshalb hilft alles, was den Widerspruch verkleinert, und alles, was ihn vergrößert, macht es schlimmer.
Daraus folgt das Wichtigste: An Deck mit Blick auf den Horizont sehen die Augen die Bewegung, die das Ohr meldet. Im Innenraum über das Handy gebeugt sehen sie das genaue Gegenteil. Das ist der Grund, warum ein Platz an der frischen Luft besser wirkt als die meisten Mittel.
Wo Sie auf dem Schiff sitzen sollten
Ein Schiff bewegt sich um seine Mitte. Je weiter Sie von der Mitte entfernt sind, desto größer sind die Ausschläge — vorn am Bug und achtern am Heck am stärksten, oben auf dem obersten Deck ebenfalls deutlich mehr als unten. Der ruhigste Platz liegt also mittschiffs und möglichst weit unten.
| Ort an Bord | Bewegung |
|---|---|
| Mittschiffs, unteres Passagierdeck | am ruhigsten |
| Mittschiffs, oberes Deck | spürbar, aber erträglich |
| Bug oder Heck | deutlich stärker, besonders bei Wellengang von vorn |
| Oberstes Außendeck ganz vorn | am stärksten — dafür freier Blick auf den Horizont |
Bei Kabinen auf Nachtfahrten gilt dasselbe. Wer empfindlich ist, nimmt eine Kabine mittschiffs auf einem der unteren Decks statt der Außenkabine ganz vorn mit Panoramafenster. Und liegen ist besser als sitzen: In waagerechter Lage fallen die Ausschläge für das Gleichgewichtsorgan geringer aus.
Welche Routen es betrifft
Die großen Ostsee-Fähren zwischen Deutschland, Schweden und dem Baltikum sind schwere Schiffe mit Stabilisatoren — auf ihnen merkt man auch bei kräftigem Wind erstaunlich wenig. Unangenehm wird es eher auf zwei anderen Typen: auf kleinen, schnellen Katamaranen und Schnellfähren, die leicht auf den Wellen aufsetzen, und auf offenen Strecken ohne Landschutz.
Im Herbst und Winter sind das vor allem die Nordsee-Überfahrten und die längeren Strecken über offene See. Kurze Verbindungen wie Puttgarden–Rødby oder Helsingør–Helsingborg sind auch bei Wind unproblematisch, einfach weil sie nach 20 bis 45 Minuten vorbei sind. Und die griechischen und adriatischen Routen sind im Sommer meist ruhig, können im Winter bei Bora oder Meltemi aber ordentlich schaukeln.
Was hilft — und wann
Der entscheidende Punkt bei Medikamenten gegen Reisekrankheit: Sie wirken vorbeugend. Eingenommen, wenn die Übelkeit schon da ist, kommen sie meist zu spät. Wer weiß, dass er empfindlich ist, nimmt sie vor dem Ablegen — die genaue Vorlaufzeit steht auf der Packung, und in der Apotheke bekommen Sie eine Empfehlung, die zu Ihnen und zur Dauer der Überfahrt passt. Achten Sie auf den Hinweis zur Fahrtüchtigkeit, wenn Sie nach der Ankunft selbst ans Steuer wollen.
Ohne Medikamente hilft die Kombination aus Position und Blick: mittschiffs, frische Luft, Horizont im Blick, nicht lesen und nicht aufs Handy schauen. Essen Sie eine Kleinigkeit, aber nichts Schweres und nichts Fettiges — mit ganz leerem Magen wird es oft schlechter, nicht besser. Alkohol verschlechtert die Sache zuverlässig.
Wenn es doch losgeht: raus an die frische Luft, hinsetzen oder hinlegen, Horizont fixieren, langsam atmen. Kalte Luft im Gesicht hilft vielen. Und wichtig für die Planung: Nach der Ankunft verschwindet das Gefühl meist innerhalb kurzer Zeit, kann aber als leichtes Schwanken noch eine Weile nachwirken.
Mit Kindern unterwegs
Kinder zwischen etwa zwei und zwölf Jahren sind besonders anfällig. Bei ihnen wirkt am besten, was auch bei Erwachsenen wirkt — nur muss man es aktiv anbieten, weil Kinder von selbst eher aufs Tablet schauen als auf den Horizont. Ein Platz am Fenster mit Blick nach draußen, regelmäßig an die frische Luft, kleine Portionen. Medikamente für Kinder gibt es, hier lohnt die Rücksprache mit dem Kinderarzt oder in der Apotheke.
Häufige Fragen
Wo ist der beste Platz auf der Fähre?
Mittschiffs auf einem unteren Passagierdeck. Dort sind die Bewegungen am geringsten. Wenn Sie draußen sein können, ist ein Platz an Deck mit Blick auf den Horizont noch besser.
Werden große Fähren weniger schaukeln als kleine?
Ja, deutlich. Große RoPax-Fähren haben Stabilisatoren und liegen schwer im Wasser. Kleine Schnellfähren und Katamarane reagieren viel stärker auf Wellen.
Wann muss ich ein Mittel gegen Reisekrankheit nehmen?
Vorbeugend vor dem Ablegen, nicht erst wenn die Übelkeit einsetzt. Die Vorlaufzeit steht auf der Packung; lassen Sie sich in der Apotheke beraten, auch wegen der Fahrtüchtigkeit nach der Ankunft.
Hilft es, sich hinzulegen?
Meist ja. In waagerechter Lage sind die Ausschläge für das Gleichgewichtsorgan geringer. Auf Nachtfahrten ist eine Kabine mittschiffs deshalb die ruhigste Wahl.
Sollte ich vor der Überfahrt nichts essen?
Nein. Mit leerem Magen wird es oft schlechter. Eine leichte Kleinigkeit ist besser als gar nichts — nur nichts Fettiges und keinen Alkohol.
Ab welcher Windstärke wird es unangenehm?
Auf kleineren Schiffen etwa ab Windstärke 6. Große Ostsee-Fähren fahren auch darüber hinaus ruhig. Prüfen Sie vor der Abfahrt Windstärke und Wellenhöhe für das Seegebiet, nicht nur die Temperatur an Land.
FlashFerry